{"id":1101,"date":"2016-03-04T16:22:59","date_gmt":"2016-03-04T15:22:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=1101"},"modified":"2019-09-13T16:46:35","modified_gmt":"2019-09-13T14:46:35","slug":"alles-ist-disruptiv-oder-doch-etwa-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=1101","title":{"rendered":"Alles ist disruptiv &#8211; oder etwa nicht?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Disruption ist in aller Munde, nicht zuletzt mit dem Highlight der <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/das-wirtschaftswort-des-jahres-disruption-baby-disruption-13985491.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00fcrung zum Wirtschaftswortes des Jahres 2015 durch die FAZ<\/a>. Obwohl Prof. Clayton M. Christensen in den meisten F\u00e4llen als die pr\u00e4gende Person f\u00fcr diesen Begriff genannt wird, passiert es immer h\u00e4ufiger, dass alles, was mit einem gewissen Neuheitsgrad &#8211; und einer besonderen Bedeutung &#8211; versehen werden soll, mit dem Begriff der Disruption betitelt wird.<\/strong><\/p>\n<p>Nach Highlights wie dem Eklat zwischen Prof. Jill Lepore und Prof. Clayton M. Christensen, bei dem die <a href=\"http:\/\/www.newyorker.com\/magazine\/2014\/06\/23\/the-disruption-machine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theorie der disruptiven Innovation in einem Artikel im New Yorker in Frage gestellt wurde<\/a>, hat sich die Begriffsverwendung heute so weit entwickelt, dass der Urheber der Theorie in verschiedenster Form Stellung bezieht. <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/offwhitepapers\/2014\/08\/21\/if-it-isnt-disruptive-innovation-then-what-is-it-try-quantum-innovation-on-for-size\/#53ad634e3f52\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einmal wird der Begriff &#8222;Quantum Innnovation&#8220; vorgeschlagen<\/a>, um die Diskussion um die Begrifflichkeit der disruptiven Innovation zu kl\u00e4ren, <a href=\"https:\/\/hbr.org\/2015\/12\/what-is-disruptive-innovation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein anderes Mal wird der Begriff erneut mit Beispielen und anhand eines Kurzfilms dargestellt<\/a>.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich sind andere Autoren, u.a. auch der FAZ, nicht Christenssens Meinung, dass Uber keine disruptive Innovation darstellt. Eines bleibt Prof. Christensen, der disruptive Innovation als Prozess beschreibt, aber trotz allem schuldig: im Gegensatz zu anderen Innnovationsarten gibt es keine kurze und pr\u00e4gnante Aussage, was eine disruptive Innovation nun tats\u00e4chlich ist. Hier springen zum Gl\u00fcck andere Autoren ein. So hat <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/j.0737-6782.2004.00076.x\/abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erwin Danneels in einer fr\u00fchen Diskussion des Ansatzes von Prof. Christenssen<\/a> eine disruptive Technologie als eine solche definiert, die im Markt eingesetzte Technologien \u00fcberfl\u00fcssig macht und die Investiton etablierter Player auf dem Markt (Incumbents) zerst\u00f6rt. Das ist eine schl\u00fcssige Zusammenfassung der von Christenssen beschriebenen Merkmale, mit dem Nachteil, dass eine disruptive Technologie, die erfolgreich von den gro\u00dfen, etablierten Playern erkannt und in neue L\u00f6sungen integriert wird damit automatisch ihren Status als disruptive Technologie verliert. Zu den wesentlichen Eigenschaften, die eine disruptive Innovation auszeichnen geh\u00f6ren sicherlich Christenssens Low-Cost Characteristik &#8222;<em>offered less of what customers in established markets wanted<\/em>&#8220; oder die sp\u00e4ter erg\u00e4nzte new-market Charakteristik &#8222;<em>enabling the composition of functionalities in a new way<\/em>&#8220;\u00a0 sowie die durch weitere Autoren erg\u00e4nzte Erf\u00fcllung der wesentlichen Kundenanforderungen wie bspw. durch Adner als &#8222;<em>Dimensions of Performance that are most important to mainstream customers<\/em>&#8222;. Eine wichtige und wesentliche Erg\u00e4nzung ist auch die von Govindarajan &amp; Kopalle beschriebene Erg\u00e4nzung der Leistungszusammensetzung als &#8222;<em>a combination that is unattractive to mainstream customers at the time of product introduction<\/em>&#8222;. Und dann gibt es noch erg\u00e4nzende Begriffe wie die <a href=\"https:\/\/hbr.org\/2013\/03\/big-bang-disruption\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Big Bang Disruption<\/a> oder die <a href=\"https:\/\/solutions.forrester.com\/Global\/FileLib\/Books\/Digital_Disruption_Figures.pdf\">Digital Disruption<\/a>, die jedoch f\u00fcr eine pr\u00e4zisere Definition des Begriffes der Disruption eher au\u00dfer Acht gelassen werden sollten&#8230;<\/p>\n<p>F\u00fcr Unternehmen ist es &#8211; wenn \u00fcberhaupt relevant &#8211; dann zweitrangig,\u00a0 ob eine Disruption einer bestimmten Definition gen\u00fcgt oder nicht. Das Taxigewerbe f\u00fchlt sich so oder so von Unternehmen wie Uber bedroht, die Erfindung des iPhones ist sicherlich nicht ganz unschuldig an der Entwicklung der Handysparte bei Nokia. Die Frage ist, wie \u00fcber den Tellerrand hinaus geschaut werden kann, um wesentliche Neuerungen fr\u00fchzeitig zu erkennen. Und nat\u00fcrlich,\u00a0 wie die Entstehung disruptiver, radikaler oder kundenorientierter\u00a0 Neuerungen im eigenen Unternehmen gef\u00f6rdert werden kann &#8211; nicht zuletzt durch die eigene Forschung und Entwicklung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=214\">Die ideale Kundenerfahrung als Grundlage von Backcasting zur Entwicklung nutzerzentrierter L\u00f6sungen wurde bereits vor einiger Zeit kurz vorgestellt<\/a>. Prof. Christenssen w\u00fcrde die ideale Kundenerfahrung hier wohl als den Job bezeichnen, der durch eine L\u00f6sung erf\u00fcllt werden soll oder muss. Wie Unternehmen disruptive Technologie-Entwicklungen fr\u00fchzeitig identifizieren und was hierzu als Good- und Best Practices angesehen wurde haben wir <a href=\"http:\/\/publica.fraunhofer.de\/documents\/N-374502.html\">in einer Studie analysiert<\/a>. Wie mit disruptiven Entwicklungen in der industriellen Forschung und Entwicklung umgegangen werden kann wird auf der R&amp;D Management <a href=\"http:\/\/www.rnd2016.eng.cam.ac.uk\/\">Conference 2016 in Cambridge<\/a> in einer eigenen Session diskutiert. Oft scheitert der Umgang mit Neuerungen in Gro\u00dfunternehmen aber weniger an dem fehlenden Wissen \u00fcber eine technologische Entwicklung, als vielmehr an einer entsprechenden organisatorischen Neuausrichtung von Gro\u00dfunternehmen. Kodak als Erfinder und Opfer der digitalen Fotografie ist sicherlich eines der prominentesten Beispiele.<\/p>\n<p>Das Thema der Disruption sollte also ernst genommen werden. Insbesondere im Rahmen von Entwicklungen wie dem Internet der Dinge, einer zunehmenden Digitalisierung oder Schlagw\u00f6rtern wie Industrie 4.0 m\u00fcssen sich Unternehmen mit Themenbereichen auseinandersetzen, die meist au\u00dferhalb des Kerngesch\u00e4ftes und oft auch au\u00dferhalb der Kompetenz einer eigenen F&amp;E Abteilung liegen. \u00dcber die vom Kunden explizit gew\u00fcnschten Verbesserungen wird in vielen F\u00e4llen in Unternehmen kaum analysiert, welche l\u00f6sungsunabh\u00e4ngigen Anfordern f\u00fcr die direkten oder indirekten Kunden tats\u00e4chlich im Vordergrund stehen. Eine ganzheitliche Ausrichtung der eigenen F&amp;E Abteilung inklusive einer kontinuierlichen Umfeld- und Kundenanalyse, kombiniert mit entsprechenden Optionen um auch Themenbereiche au\u00dferhalb des Kerngesch\u00e4fts angehen zu k\u00f6nnen ist zur Absicherung gegen Disruptionen daher ein erster Schritt.<\/p>\n<p>Ein Gedanke zum Abschluss: Es gibt kaum ein besseres Beispiel als die Automobilindustrie f\u00fcr den Grundgedanken der disruptiven Innovation: neben Modellen etablierter Hersteller, die auf zus\u00e4tzliche Funktionalit\u00e4t setzen, sprie\u00dfen derzeit kleine Unternehmen aus dem Boden, die einfache und g\u00fcnstige Elektromobile anbieten &#8211; ein potenzieller Anfang einer klassischen Low-End Disruption. Bleibt abzuwarten, ob sich hierdurch eine Zerst\u00f6rung etablierter Player abzeichnen wird.<\/p>\n<p><em>Weitere Informationen:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/hbr.org\/2015\/12\/what-is-disruptive-innovation\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Begriffsdefinition Disruptive Innovation von Prof. Clayton M. Christenssen im HBR<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=214\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blogbeitrag zu Backcasting als Methode zur Entwicklung disruptiver Neuerungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/publica.fraunhofer.de\/documents\/N-374502.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel zu Good \/ Best Practices zur Identifikation disruptiver Technologien<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/?page_id=20\"><em>Sven Schimpf<\/em><\/a><\/em><a href=\"https:\/\/hbr.org\/video\/embed\/2688242135001\"><iframe src=\"https:\/\/hbr.org\/video\/embed\/2688242135001\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Disruption ist in aller Munde, nicht zuletzt mit dem Highlight der K\u00fcrung zum Wirtschaftswortes des Jahres 2015 durch die FAZ. Obwohl Prof. Clayton M. 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