{"id":234,"date":"2010-04-20T12:16:54","date_gmt":"2010-04-20T10:16:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=234"},"modified":"2015-12-23T22:23:39","modified_gmt":"2015-12-23T21:23:39","slug":"forschung-und-entwicklung-in-emerging-markets","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=234","title":{"rendered":"Forschung und Entwicklung in Emerging Markets"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"BRIC Staaten\" src=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/wp-content\/uploads\/2010-04-20_BRIC.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"179\" \/><\/p>\n<p>Emerging Markets bzw. die BRIC\u00a0 Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) spielen f\u00fcr die globale Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Nach einem anf\u00e4nglichen Fokus auf die Produktion steht nun auch die Forschung und Entwicklung im Zentrum der Diskussion \u00fcber eine Verlagerung bzw. einen Aufbau von Standorten in diesen Staaten. Durch spezielle Anforderungen und Schwierigkeiten m\u00fcssen in dieser Diskussion Aspekte ber\u00fccksichtigt werden, die \u00fcber die bisherige Debatte einer Internationalisierung der Forschung und Entwicklung hinausgehen.<\/p>\n<p><strong>Warum Forschung und Entwicklung\u00a0 in Emerging Markets?<\/strong><\/p>\n<p>Weshalb sollte ein erfolgreiches Unternehmen eine Forschung und Entwicklung in Emerging Markets aufbauen? Vom pers\u00f6nlichen Faible verantwortlicher Mitarbeiter bis hin zur strategischen Notwendigkeit gibt es zahlreiche Gr\u00fcnde. Kurz \u00fcberschlagen geh\u00f6ren hierzu sicherlich die Folgenden:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Kunden- und Marktn\u00e4he:<\/em> Entsprechend den Grunds\u00e4tzen zum Aufbau einer internationalen FuE ist die Kundenn\u00e4he ein wesentlicher Beweggrund f\u00fcr den Eintritt bzw. den Erfolg in Emerging Markets. Im Vergleich zu den bestehenden westlichen M\u00e4rkten sind die Wachstumsraten in den Emerging Markets oft h\u00f6her und vielversprechender.<\/li>\n<li><em>N\u00e4he zu Produktionsst\u00e4tten, Lieferanten und Entwicklungspartnern:<\/em> Der Wissenstransfer zwischen Forschung und Entwicklung und Produktionsst\u00e4tten, Lieferanten oder Entwicklungspartnern ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor f\u00fcr die Entwicklung neuer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen. Trotz der weitgehenden Verbreitung verschiedenster Kommunikationsm\u00f6glichkeiten spielt die r\u00e4umliche N\u00e4he nach wie vor eine wichtige Rolle f\u00fcr diese Art des Transfers.<\/li>\n<li><em>Direkte Kosteneinsparung:<\/em> Der in der Regel recht hohe Anteil an Personalkosten in der FuE erlaubt die Reduktion der direkten (Personal-)Kosten f\u00fcr FuE Aktivit\u00e4ten durch die Verlagerung in Emerging Markets. Durch die wachsende Verf\u00fcgbarkeit hochqualifizierter Hochschulabg\u00e4nger geht die Verlagerung unterdessen weit \u00fcber die Ausf\u00fchrung von Standardaufgaben hinaus.<\/li>\n<li><em>Indirekte Kosteneinsparung:<\/em> Durch die Entwicklung angepasster (reduzierter) L\u00f6sungen in Emerging Markets (auch bekannt als &#8222;<a title=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=19\" href=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=19\"><em title=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=19\">Low-Cost Innovation<\/em><\/a>&#8222;, &#8222;<em>Reverse Innovation<\/em>&#8222;, &#8222;<em>Frugal Innovation<\/em>&#8222;, &#8222;<em>Constraint-Based Innovation<\/em>&#8222;, &#8222;<em>Downgrading<\/em>&#8220; oder &#8222;<em>Good-Enough Products<\/em>&#8222;)\u00a0 Kosteneinsparungen in der Produktion, im Vertrieb oder sonstigen Stufen der Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><em>Zugang zu speziellen FuE-Kompetenzen:<\/em> Forschung und Entwicklung in Emerging Markets kann den Erwerb spezieller technologischer oder marktrelevanter Kompetenzen, die im Stammland nicht, oder nur begrenzt zur Verf\u00fcgung stehen erm\u00f6glichen. Dies kann auch die \u00dcberbr\u00fcckung von regionalen Kompetenzengp\u00e4ssen beinhalten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Enthusiasmus \u00fcber neue Chancen von Forschung und Entwicklung in Emerging Markets darf nat\u00fcrlich nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass diese \u00e4hnlichen Erfolgsfaktoren unterliegt wie an jedem anderen Standort. Ohne beispielsweise eine langfristige Planung und die strategische Konsistenz des Vorhabens bringen auch die besten Gr\u00fcnde nicht viel im Bezug auf den erfolgreichen Aufbau einer Forschung und Entwicklung in Emerging Markets.<\/p>\n<p><strong>Herausforderungen und Schwierigkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Dass es sich bei dem Aufbau einer Forschung und Entwicklung in Emerging Markets um keine leichte Aufgabe handelt, k\u00f6nnen wahrscheinlich die meisten, die mit einer solchen Aufgabe besch\u00e4ftig waren, best\u00e4tigen. \u00dcber die generellen Erfolgsfaktoren des FuE-Management hinaus tauchen in zahlreichen Fallbeispielen weitere Herausforderungen und Schwierigkeiten auf:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Kultur- und Strukturunterschiede: <\/em>Eine der meist untersch\u00e4tzten Herausforderung ist die \u00dcberwindung kultureller Unterschiede. Dies beinhaltet sowohl kulturell bedingte Verhaltensmerkmale und gesellschaftliche Regeln als auch Unterschiede in Infrastruktur und Gesetzgebung. Viele Randbedingungen, die in westlichen L\u00e4ndern als Status Quo etabliert sind, gelten in Emerging Markets nicht in gleichem Ma\u00dfe.<\/li>\n<li><em>Wissensabwanderung:<\/em> Durch die Notwendigkeit, Wissen der Forschung und Entwicklung an Mitarbeiter und ggf. Entwicklungspartner weiterzugeben, kann erfolgskritisches Wissen im Stammhaus verloren gehen bzw. \u00fcber Mitarbeiterfluktuation in den Emerging Markets verbreitet werden.<\/li>\n<li><em>Produktpiraterie:<\/em> Oftmals sind Produkte und Dienstleistungen nicht in der gleichen Form vor der Nachahmung gesch\u00fctzt wie in westlichen L\u00e4ndern. Insbesondere f\u00fcr den Einsatz in Emerging Markets kann durch Produktpiraterie sowohl das Image des Unternehmens als auch die Marktposition leiden. Eine neuartige Sichtweise auf das Thema Produktpiraterie ist es jedoch, diese auch f\u00fcr die Weiterentwicklung der eigenen Produkte und zur Identifikation spezieller Marktanforderungen zu nutzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Entgegen der Angst vor einer generellen &#8222;Auswanderung&#8220; der Forschung und Entwicklung steht die Tatsache, dass Komponenenten f\u00fcr die in Emerging Markets entwickelten und hergestellten Produkte oft aus westlichen L\u00e4ndern stammen. Eines der bekanntesten Beispiele hierf\u00fcr ist der Tata Nano bei dessen Herstellung Komponenten oder Produktionsanlagen von bspw. Bosch, Continental, D\u00fcrr oder Freudenberg eingesetzt werden. Die Wahrheit f\u00fcr die globale Verteilung der FuE befindet sich wohl auch in Zukunft irgendwo zwischen den Extremen. Der derzeitige &#8222;Hype&#8220; um die Emerging Markets liefert in jedem Fall geeignete Randbedingungen f\u00fcr das Abenteuer &#8222;FuE in Emerging Markets&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Weitere Informationen:<br \/>\n<\/em>Kostenloser <a href=\"http:\/\/www.economist.com\/printedition\/2010-04-17\" target=\"_blank\">Special Report<\/a> der Zeitschrift The Economist vom 17. April 2010 zum Thema &#8222;<em>Innovation in Emerging Markets<\/em>&#8222;.<a href=\"http:\/\/www.economist.com\/specialreports\/\" target=\"_blank\"><br \/>\n<\/a>Das im Gabler Verlag erschienene Buch mit dem Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783834913401\" target=\"_blank\"><em>Industrielle Forschung und Entwicklung in Emerging Markets<\/em>&#8222;<\/a> in dem zahlreiche Fallbeispiele aus der Praxis dargestellt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><a href=\"..\/?page_id=20\"><em>Sven Schimpf<\/em><\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emerging Markets bzw. die BRIC\u00a0 Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) spielen f\u00fcr die globale Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle. Nach einem anf\u00e4nglichen Fokus auf die Produktion steht nun auch die Forschung und Entwicklung im Zentrum der Diskussion \u00fcber eine Verlagerung bzw. einen Aufbau von Standorten in diesen Staaten. 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