{"id":241,"date":"2010-04-19T19:06:21","date_gmt":"2010-04-19T17:06:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=241"},"modified":"2010-04-19T20:23:16","modified_gmt":"2010-04-19T18:23:16","slug":"slow-innovation-erfolgsrezept-oder-buzzword","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fue-blog.de\/?p=241","title":{"rendered":"Slow Innovation &#8211; Erfolgsrezept oder Buzzword?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignnone\" src=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/wp-content\/uploads\/2010-04-19_hase.jpg\" alt=\"(c) wikimedia\" width=\"500\" height=\"140\" \/><\/p>\n<p>Das sch\u00f6ne am Begriff der Innovation ist die Tatsache, dass er so einfach mit neuen Adjektiven erg\u00e4nzt werden kann. \u201eOpen Innovation\u201c, \u201eDisruptive Innovation\u201c usw. sind Beispiele daf\u00fcr, wie der &#8211; teils zu Recht &#8211; \u00fcberstrapazierte Innovationsbegriff mit neuen Facetten versehen wird. Im Laufe der letzten Wochen und Monate sind wir dabei wiederholt, u.a. <a href=\"http:\/\/changethis.com\/manifesto\/download\/40.06.SlowInnovation\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.business-strategy-innovation.com\/2009\/08\/can-you-have-slow-innovation.html\">hier <\/a>und <a href=\"http:\/\/designmind.frogdesign.com\/articles\/motion\/slow-innovation.html\">hier <\/a>auf den Ausdruck \u201eSlow Innovation\u201c gesto\u00dfen. Schon beim ersten Mal lesen denkt man, \u201eMoment, kann es so etwas wie \u201aSlow Innovation\u2019 \u00fcberhaupt geben?\u201c bzw. \u201eDarf es so etwas \u00fcberhaupt geben?\u201c. Zumindest war unsere Neugier geweckt, um herauszufinden, wer denn nun gewinnt, der schnelle Hase oder der bed\u00e4chtige Igel.<\/p>\n<p>Eine der wenigen Daumenregeln im Innovationsmanagement, die man guten Gewissens vertreten kann, ist wohl die, dass man nie genug Ideen und Konzepte im Innovationstrichter haben kann. Wir wissen auch, dass innerhalb des Innovationstrichters teils sehr unterschiedliche Priorit\u00e4ten gelegt werden. Einige Unternehmen arbeiten mit vergleichweise vielen Ideen und vielen Konzepten, um sp\u00e4te Entscheidungen zu treffen (s. Musterbeispiel Toyota), andere tendieren dazu, sich recht fr\u00fch auf erfolgversprechende Projekte festzulegen. Aber in Punkte Zeit waren sich eigentlich alle einig: Es kann gar nicht schnell genug gehen, um Innovationen auf den Markt zu bekommen. Ich m\u00f6chte fast behaupten jedem der uns bekannten Innovationsmanager geht es sowieso schon zu langsam. Und jetzt also \u201eSlow Innovation\u201c. Was steckt eigentlich dahinter?<\/p>\n<p><strong>Worum geht es bei Slow Innovation?<\/strong><\/p>\n<p>Um eine Erkl\u00e4rung zu finden, zieht Derek Cheshire eine Parallele zur \u201eSlow Food\u201c-Bewegung. Diese wurde als Gegeninitiative zum allgegenw\u00e4rtigen Fast Food ins Leben gerufen. Sie sollte zeigen, dass der Fortschritt nicht immer nur im \u201eschneller, h\u00f6her, weiter\u201c liegt, sondern eben auch in einer R\u00fcckbesinnung auf das, was dem Menschen tats\u00e4chlich wichtig ist, beispielweise eben einer bewussten, gesunden Ern\u00e4hrung. Analog dazu argumentiert Cheshire, dass die Erfolgsrate vieler Innovationen so gering sei, weil ein Gro\u00dfteil der neu eingef\u00fchrten Leistungen sich bei einer genaueren Betrachtung eher als Scheininnovationen entpuppen. Diese br\u00e4chten aber auf lange Sicht keinen Vorteil. Im Gegenteil, einerseits w\u00fcrde auf Kundenseite Schaden entstehen, da sich diese langfristig nicht mit Scheininnovationen abspeisen lassen. Andererseits h\u00e4tte dieses Verhalten aber auch negative Folgen f\u00fcr das Unternehmen selbst. Wenn Zeit die wichtigste Rolle spielt, w\u00fcrde eine Innovationskultur gef\u00f6rdert, die die Motivation und Sorgfalt seiner innovativen Mitarbeiter untergr\u00e4bt. Auch wenn der Fast Food-Weg kommerziell reizvoll erscheint, so stellt er sich unter Umst\u00e4nden als wenig nachhaltig heraus (\u201e[&#8230;] a cash injection in return for a short-term stimulus\u201c).<\/p>\n<p>Andere Autoren argumentieren, dass es so etwas wie Slow Innovation gar nicht geben k\u00f6nne. Zu zahlreich sei die Zahl der Wettbewerber, die nach den gleichen Innovationschancen trachte, zu schnell die Beschleunigung in den Innovationszyklen. Man denke alleine nur an Branchen wie (Unterhaltungs-)Elektronik und Telekommunikation mit Innovationszyklen, die teils unter einem Jahr liegen. <strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Fazit: Kein eigenes Konzept \u2013 aber ein guter Denkansto\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Ist \u201eSlow Innovation\u201c also eher ein Buzzword oder alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen? Zun\u00e4chst halten wir es \u00fcberhaupt f\u00fcr interessant einen\u00a0 kausalen Zusammenhang zwischen der Entstehungsdauer einer Innovation und dem daraus kreierten Wert f\u00fcr den Nutzer bzw.\u00a0 Kunden zu vermuten. Diesen jedoch nachzuweisen f\u00e4llt schwer.\u00a0 Unserer \u00dcberzeugung nach liefern diese Beitr\u00e4ge keine wesentlichen neuen Erkenntnisse, um \u201eSlow Innovation\u201c als ein handlungsweisendes Konzept zu etablieren. Sie eignen sich dennoch gut dazu, die eigene Innovationsstrategie und die Innovationsaktivit\u00e4ten zu \u00fcberpr\u00fcfen und gegebenenfalls anzupassen.<\/p>\n<ol>\n<li><em>Slow Innovation als Gestaltungsprinzip f\u00fcr die Innovationspipeline:<\/em> F\u00fcr viele Unternehmen ist der Druck immens, immer wieder als Erster mit Neuerungen den Markt zu \u00fcberraschen. Nicht selten sind sie dabei an einen festen Rhythmus gebunden. Falls die wichtigste Branchenmesse einmal j\u00e4hrlich stattfindet, geben sich die Kunden eben ungern mit dem Produktprogramm des letzten Jahres zufrieden. Aus diesem Grund halten wir es f\u00fcr dringend notwendig, die Innovationspipeline entsprechend ausgeglichen zu gestalten, d.h. jederzeit gr\u00f6\u00dfere und kleinere Innovationsvorhaben zu verfolgen. W\u00e4hrend fortw\u00e4hrend kleine Innovationen die Kunden eventuell nicht zufrieden stellen, ist es allerdings ebenso wenig sinnvoll, mit vollem Risiko und Ressourceneinsatz immer wieder alles auf eine Karte zu setzen um ausschlie\u00dflich radikale Innovationen zu verfolgen. Das h\u00f6rt sich zwar banal an, ist aber in der Praxis keineswegs immer zu beobachten.<\/li>\n<li><em>Slow Innovation als Verhaltens- und F\u00fchrungsprinzip:<\/em> \u201eGut Ding will Weile haben\u201c &#8211; fast jedes Buch zum Thema Innovation ist gespickt mit Beispielen, in denen eine bahnbrechende Idee sich erst im Laufe der Zeit beweisen muss und etliche Jahre von der Entwicklung bis zur erfolgreichen Kommerzialisierung vergehen. Man danke nur an die Post-it-Erfolgsgeschichte. Diesen Beispielen liegt vor allem eine Erkenntnis zu Grunde. Innovationen werden von Menschen vorangetrieben, die z.T. mit erheblichem pers\u00f6nlichem Einsatz \u00fcber einen langen Zeitraum ihre Ideen verfolgen und dabei auch oft gegen (kurzfristige) Unternehmensziele ank\u00e4mpfen m\u00fcssen, bis die Fr\u00fcchte ihrer Arbeit geerntet werden k\u00f6nnen. Die Motivation und das Durchhalteverm\u00f6gen der Mitarbeiter sind aber begrenzt und nicht beliebig strapazierbar. Wer die Vorschl\u00e4ge seiner Mitarbeiter im Keim ersticken l\u00e4sst bzw. nicht die notwendigen Ressourcen zu deren Verfolgung zur Verf\u00fcgung stellt, reduziert eindeutig seine Innovationsf\u00e4higkeit.<\/li>\n<\/ol>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" alignnone\" src=\"https:\/\/www.fue-blog.de\/wp-content\/uploads\/2010-04-19_igel.jpg\" alt=\"(c) wikimedia\" width=\"500\" height=\"200\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><\/em><em><a href=\"..\/?page_id=21\">Flavius Sturm<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das sch\u00f6ne am Begriff der Innovation ist die Tatsache, dass er so einfach mit neuen Adjektiven erg\u00e4nzt werden kann. \u201eOpen Innovation\u201c, \u201eDisruptive Innovation\u201c usw. sind Beispiele daf\u00fcr, wie der &#8211; teils zu Recht &#8211; \u00fcberstrapazierte Innovationsbegriff mit neuen Facetten versehen wird. 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