
Wie können wir die Innovationsfähigkeit in Deutschland steigern, damit Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig in globalen Märkten agieren können? Mit diesem Ziel haben wir eine Studie zur Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen durchgeführt. Es geht darum, die Relevanz, Gegenstände und Entstehungsräume von Innovationen in deutschen Unternehmen zu verstehen – und Einblicke in die Stellhebel des Innovationsmanagements von der strategischen Ausrichtung bis zur Unterstützung der Umsetzung zu bekommen. Die Studie wurde als Online-Umfrage durchgeführt – von 433 Rückmeldungen konnten 201 in der Auswertung Anfang 2026 berücksichtigt werden. Ein überwiegender Anteil der Teilnehmenden kommt aus dem produzierenden Gewerbe (mit hohem Anteil des Maschinenbaus und der Automobilwirtschaft), gefolgt von der Dienstleistungsbranche.
Innovationsstrategie
Zuerst ein positives Signal: Innovation ist Chefsache in deutschen Unternehmen. Innovation wird überwiegend als wichtig bis überlebenswichtig eingestuft – und ist in den meisten der teilnehmenden Unternehmen in der Unternehmensstrategie fest verankert. Ebenso sehen mehr als die Hälfte der Teilnehmenden in ihren Unternehmen eine offene und lernorientierte Innovationskultur. In der längerfristigen Planung wurde nach der Einbindung von Nutzerbedürfnissen sowie der Systematik eines unternehmensinternen Forsight und der Technologiebeobachtung gefragt. Die Einbindung von Nutzerbedürfnissen scheint schon fast als Standard zu gelten – Verbesserungspotenziale, vor allem in KMUs gibt es bei Foresight- und Technologiebeobachtungsprozessen.
Spannend ist, dass eine Mehrheit der Unternehmen die eigenen Innovationsaktivitäten eher im inkrementellen Bereich (schrittweise Entwicklungen mit jeweils eher geringen Leistungsverbesserungen) sehen – gleichzeitig jedoch das Risiko, dass mit Innovationen eingegangen wird, als eher hoch einschätzen.
Innovationsprozesse
Der Aussage, dass Innovationen mit klar definierten Prozessen gesteuert werden, stimmt eine Mehrheit der Teilnehmenden zu – wobei es trotzdem einen Anteil gibt, die eher nicht oder überhaupt nicht zustimmen, was auf ein wichtiges Handlungsfeld für Verbesserungspotenziale hinweist. Bei der Frage, ob Innovationen mit messbaren Kennzahlen gesteuert werden, sinkt die Zustimmung deutlich. Kennzahlen stellen ein wichtiges Steuerungsinstrument dar, da diese sowohl eine Verfolgung der Zielerreichung als auch Transparenz für die Mitarbeitenden zur Zielstellung unterstützen können. Kennzahlen beinhalten daher sowohl Effizienz-Kennzahlen bspw. zu Zeit / Kosten / Qualität von Projekten und Innovationsprogrammen, besonders relevant bei Aktivitäten mit einer geringen Unsicherheit zu Prozessen und Zielen – oder Effektivitätskennzahlen bei Innovationsaktivitäten mit einer hohen Unsicherheit, die besonders für eine langfristige Weiterentwicklung des Portfolios von Relevanz sind.
Digitalisierung und KI
Die Nutzung von KI in Innovationsprojekten ist überraschend hoch – allerdings überwiegend in den frühen Phasen. Von der Ideengenerierung nimmt die Nutzung kontinuierlich ab. Als Warnsignal kann schon fast die Zugänglichkeit und Qualität der Daten verstanden werden. Beides fällt unter den Teilnehmern eher mäßig bis gering aus. Das ist insofern ein wichtiger Punkt, als dass eine unternehmensindividuelle Datenbasis die Grundlage für einen Wettbewerbsvorteil für die heutige oder zukünftige Nutzung der Künstlichen Intelligenz ist oder sein kann. Im Gegensatz zu generellen Tools, die für alle Nutzenden ähnliche Antworten liefern, sind Industrie-/Unternehmenslösungen die anhand eigener Daten trainiert werden, in der Lage spezialisiertere Antworten zu geben.

Entscheidungsgeschwindigkeit, Rahmenbedingungen und weitere Themen
Ein wichtiger Punkt ist die Geschwindigkeit von Entscheidungsprozessen in den teilnehmenden Unternehmen. Diese wird überwiegend als durchschnittlich bis langsam eingeordnet. Das ist ein Punkt, an dem es wenig Spielraum gibt: insbesondere mit Blick auf Innovationsgeschwindigkeiten in anderen globalen Regionen gilt es, diese zu erhöhen. Daneben wenig überraschend wird von den Teilnehmenden der Standort Deutschland als wenig zufriedenstellend für die Entwicklung und Umsetzung von Innovationen eingeordnet.
Bei den weiteren Themen fallen die Antworten unterschiedlich aus. Zum Thema der Integration von Nachhaltigkeitsaspekten im Innovationsmanagement gibt es Verbesserungspotenziale, vor allem mit Blick auf eine langfristig orientierte Innovationplanung. Zum Thema Fachkräfte und Weiterbildung ist das Bild etwas positiver und viele Unternehmen führen einen Großteil der Innovationsprojekte in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen oder Einrichtungen durch.
Was bedeuten die Ergebnisse?
Für Unternehmen soll die Studie Ansatzpunkte für die Reflexion der eigenen Situation liefern und gleichzeitig einige der wichtigsten Stellhebel thematisieren. Die Studie ist im Open Access Format zum Download verfügbar – für weitere Details stehen die Autoren und die Mitarbeitenden der Institute aus dem Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung (Fraunhofer IAO, Fraunhofer ISI, Fraunhofer IRB, Fraunhofer FKIE, Fraunhofer IIS) zur Verfügung. Für die Politik liefert die Studie Einblicke in die Wahrnehmung deutscher Unternehmen zur Situation in Deutschland, zum aktuellen Status Quo und zu den Herausforderungen der Innovationsfähigkeit. Gleichzeitig lassen sich Handlungsfelder für die Wissenschaft ableiten, in denen es größere Verbesserungspotenziale in Unternehmen gibt. Wir freuen uns auf die Diskussion der Ergebnisse und einen Austausch zwischen allen Akteuren, die zur Steigerung der Innovationsfähigkeit beitraten können oder wollen.
Weitere Informationen:
- Download der Studie (Kostenfrei, Open Access) „German Innovation Spotlight 2026. Studie zur Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen“ https://doi.org/10.24406/publica-8379